Freitag, 24. November 2000

Vor der Purität

PURITÄT

Mit blossen Händen arbeitet Fritz Becker sich in einen Styroporblock hinein. Das spröde Material zerbirst unter der Kraft seiner Finger und zerfliegt in tausend Kugeln. Er folgt der unsichtbaren Regieanweisung aus dem Off der Kamera. Die Finger beginnen zu glühen. Die Blasen werden vergehen - im Block bleibt ein Loch zurück. Das ist Purität.

Purität gibt es in zwei Versionen einmal pur *
und das andere Mal mit Mucke.

Fritz Becker, Daniel Kosinski, David Raabe 2009

Soweit die Ankündigung, die zum Video führt. Doch was war davor? Was treibt drei Männer an, Löcher in Styropor zu brechen?

Am Anfang war da der Müll - all dieser Müll. Die Reste der vielen Ausstellungen des Westfälischen Kunstvereins lagen umher und standen den Satellitenkursteilnehmern zur künstlerischen Verfügung.
Holz war da. Plastik und diverser Euroshopkram von Surasi Kuselwongs Dummer Kiste. Nägel und Sägen gabs auch.

Tut was ihr wollt. Macht damit, was Euch einfällt. Bedingung war nur der Plan, dass der Kurs acht Wochen später damit auf dem Aasee schwimmen gehen sollten.

Das erste gedachte Projekt der drei, die zur Purität kamen, war gleich etwas, das zwar schwamm aber nicht über sondern unter Wasser. Ein U Boot und das aus Styropor. Ein solches zu verwirklichen erschien nicht einfach, immer vorausgesetzt es sollte wirklich untergehen.

In der Folge sollte das Boot dann ein Eisblock werden, der schwimmt, bis er verschwindet. Dazu wurden erste Eisskizzen erstellt, die sich aus aufgefüllten Luftpolsterviechern ausm Euroshop entwickelten. Ein aufblasbarer Dino wurde zu seiner Gänze mit Wasser gefüllt und landete zwischen Tiefkühlcroissants im Eisfach der Schule.

Der Dino gefror nicht richtig durch, das Entchen wurde verworfen, einige Eise gebrochen.
Alles verworfen.

Zurück also zum Styropor machten sich Fritz Becker, Daniel Kosinski und David Raabe und bauten einen Flugzeugträger.

Doch bevor der fertig wurde,
begannen Fritz Becker und Daniel Kosinski noch einmal das Styropor roh und mit der blossen Hand zu bearbeiten.

Die Purität war entstanden. Aus dem Off die Anweisung. Und Fritzens Hände sollten mit Blasen bezahlen und sicherlich dabei den ein oder anderen Haupt- oder Nebensatz der Thermodynamik greifbar werden lassen.



Euer Ruppe Koselleck
als Statement zur Purität
für den Satellit-Kunstverein

Der Satellit Kunstverein ist ein Projekt des Westfälischen Kunstvereins zur künstlerischen Kunstvermittlung. Gefördert von der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Kunstvereine im Rahmen des Projektes Collaboration.

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