Sonntag, 20. Juni 2010

Ortsbestimmungen

Freie, vielfältige Betrachtungen von unerwarteten Perspektiven aus
auf das, was wir als Orte oder Unorte verstehen oder deuten können, ist das Ziel des Projektes Ortsbestimmungen, welches im Rahmen von Vielfalt tut gut im Gymnasium Paulinum stattfand.
Perspektivenwechsel und genaue Untersuchungen von Orten fördern eine kritische und sensible Auseinandersetzung mit der umgebenden sozialen Realität. Im Rahmen des Schulzieles - der Herausbildung einer demokratischen und toleranten Haltung werden dabei ästhetische und scheinbar nebensächliche Dinge behandelt. Offensichtliche Proklamationen von Toleranzbejahung oder einer Ja zur Vielfältigkeit des sozialen Lebens sind im Rahmen des Projektes dabei nicht zulässig gewesen.

Besondere und herausragende Videoskizzen werden an dieser Stelle gewürdigt.



Nico Koch verweist auf sein eigenes Ohr und mithin auf die skulpturale Eigenschaft seines persönlichen optoakkustischen Wahrnehmungsapparats. Das Ohr wird zum Ort geformt, der in sich verklemmt seine Funktion mindert. Dieser elementare Eingriff macht die Umgebung stiller - schirmt und schützt das Gehör vor seiner Umgebung.



Michael Grabiak untersucht mit seiner Videoskizze den Briefkasten und macht dabei eine unerwartete Perspektive - die Innensicht einer blechernen ananlogen Mailbox sichtbar. Die Umgebung der Box klingt seltsam hohl nach und formt aus das Verhältnis von Aussen und Innen eine bildgestützte Klangcollage, die von einem fremdartigen Lachen karrikiert wird. Der Briefkasten als Schnittstelle von offizieller und privater Post, die vom öffentlichen Aussen in das private Innere des Wohnraum weist erfährt einen künstlerischen Kommentar. Was wäre wenn wir wie Briefkästen die Welt wahrnähmen?




Alexander Peijc zeigt in seiner Videoskizze Hauptverkehrszeit die Nutzungsfrequenz eines Spielplatzes vor seinem Fenster. Er rafft die Bilder von ein paar Stunden auf wenige Stunden und beendet seine Bilder mit der zufälligen Abfahrt eines parkenden PKWs vor Ort. Es bleibt ein stummer, stiller Kommentar zur kinderfreien Siedlungswelt? Aus Gründen des Copyrights wird für die Youtube-Präsentation der Song Such a lonley day ausgeblendet und durch Stille ersetzt, die der ansichtigen Öde allerdings nicht zu schaden scheint.

Das Trampolin - eine Orstbestimmung von Christopher Gerigk untersucht den kurzen vergänglichen Moment des Schwebens - den Scheitelpunkt wo man nicht mehr steigt und noch nicht wieder fällt. Er führt die Kamera beim Springen partiell selbst in der Hand und wechselt stetig die Perspektiven vom Himmel bis zum schwankenden Spannungsgrund der Trampolinoberfläche. Durch die Verlangsamung seiner Videoskizze verzerren sich partiell die Geräusche der Umgebung.

Ruppe Koselleck
für Vielfalt tut gut.

Der Satellit-Kunstverein entstand als ein Vermittlungsprojekt der ADKV, und dem Projekt Collaboration mit dem Westfälischen Kunstverein und dem Land NRW, welches einmal Geld dafür ausgegeben hat.

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